Wird es möglich sein?

Anlässlich der Vernissage im Literaturhaus Salzburg zur Ausstellung “Der Mythos Eternauta” konnte ich gemeinsam mit der Journalistin und Kuratorin der Ausstellung Anna Kemper, dem Verleger Johann Ulrich und mit Leiter des Literaturhauses Tomas Friedmann ein spannendes Gespräch über die Hintergründe des weltbekannten Comics und die persönliche Geschichte des Autors Héctor German Oesterheld führen. Im folgenden eine Kurzfassung meiner Gedanken nach der Lektüre des beeindruckenden “Eternauta”.

Unabhängig davon, ob nun Oesterheld wirklich die Militärdiktatur vorausgesehen hat, welche neben Tausenden anderen seine Töchter und ihn ermordet hat, ist für mich der „Eternauta‟ ein wesentlich grundsätzlicheres und daher auch für uns hier und heute bedeutsames Werk.

Oesterheld hat den Eternauta in den Fünfziger-Jahren geschrieben, Oesterheld hat Diktaturen erlebt, den Imperialismus und den kalten Krieg. Oesterheld setzt sich in seinem Werk mit grundsätzlichen Fragen der Gesellschaft auseinander. Ihm ist ein Comic gelungen, das in vielfacher Hinsicht herausragend ist.

Dieses Werk ist für mich ein Aufruf nach Solidarität und Gerechtigkeit, ein Plädoyer für ein Miteinander, denn nicht ein Einzelheld wird in diesem Comic erfolgreich, sondern die Gemeinschaft jener, die nicht aufgeben wollen.

Oesterheld hat eine schier unglaubliche Phantasie in der Entwicklung seiner Bilder. Das Werk ist von anspruchsvoller Dramaturgie getragen, dessen Modernität, Ästhetik und Innovationskraft heute noch – oder wieder? – tief beeindrucken.

Mit einer poetischen Sprache, kraftvollen Bildern und tiefsinnigen Metaphern will Oesterheld seinen Leser_innen den Blick für eine eigentlich schöne Welt öffnen, die uns dann verloren geht, wenn wir den unsichtbaren Mächtigen die Kontrolle überlassen. Willenlose sind es, die das Werk jener verrichten, die sich selbst nie einer Konfrontation stellen. Ohne das Heer der Willenlosen und der ferngesteuerten Roboterwesen wären die Mächtigen nicht mächtig.

Den leisen todbringenden Schnee, die grausamen Mechanismen, die uns umbringen, das Fehlen jeglicher Empathie und die rohe Gewalt als Mittel der Macht, das alles gab es vor und zur Zeit der Ersterscheinung, das gab es aber auch nicht mit der argentinischen Militärdiktatur zum letzten Mal. Das alles gibt es auch hier und heute, deshalb ist für mich der Eternauta wesentlich mehr, als eine persönliche Ahnung der eigenen Apokalypse.

Uns allen droht die Apokalypse, wenn wir den Blick für das Wesentliche verlieren und als Ferngesteuerte funktionieren, ohne zu reflektieren, wessen Auftrag wir erfüllen.

El Eternauta (Parte 01)

In einer Schlüsselszene des Eternauta erfährt die Zentralfigur Juan Salvo von einem ausserirdischen Wesen die Botschaft, dass es letztlich darum ginge, wie schnell wir bereit sind zu erkennen, dass alle Wesen des Kosmos trotz aller Unterschiedlichkeit durch „einen Geist‟ verbunden sind. Erst wenn wir diese Verbundenheit anerkennen, werden alle Kämpfe überwunden sein. Wird es möglich sein?

Cristina Colombo

Spanische Version des Artikels

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Die Ausstellung im Literaturhaus Salzburg bis 6.April 2017

Artikel Anna Kemper ZEITmagazin
“Auf der Suche nach der verlorenen Familie”

Das Buch “El Eternauta” in deutscher Fassung im Avant-Verlag

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